Forschergruppe "Grenzen der Absichtlichkeit", "Teilprojekt 6: Entwicklungsbedingungen von Absichtlichkeit und ihrer Grenzen: Selbstregulation im Schulalter"

Description

Ziel des entwicklungspsychologischen Teilprojekts im Rahmen der interdisziplinären Forschergruppe „Grenzen der Absichtlichkeit" ist die Untersuchung der Entwicklungsbedingungen und Entwicklungsfolgen von Selbstregulation im Schulalter.
Eigene Vorarbeiten, die in der ersten Antragsphase durchgeführt wurden, ergaben, dass Grenzen der Absichtlichkeit in individuellen Merkmalen des Kindes (z.B. Bindungssicherheit) bestehen. Als Komponenten der Selbstregulation wurden in der ersten Antragsphase exekutive Funktionen und Emotionsregulation untersucht. Exekutive Funktionen dienen der Planung, Initiierung und Aufrechterhaltung intentionalen Handelns. Emotionen beeinflussen die Wahrnehmung einer Situation und die Einschätzung eigener Fähigkeiten ein Ziel zur erreichen und stellen daher eine weitere wichtig Komponente der Selbstregulation dar. Für die Entwicklung von Selbstregulation werden verschiedene Erziehungsverhaltensweisen als förderlich angesehen. Unsere bisherigen Ergebnisse entsprechen der in der Literatur diskutierten Hypothese, dass unterschiedliche Aspekte mütterlichen Erziehungsverhaltens (z.B. Wärme) jeweils unterschiedliche Funktionen für die Entwicklung verschiedener Komponenten der Selbstregulation (z.B. Emotionsregulation) haben.


In Erweiterung der Forschungsperspektive der ersten Phase sollen in der zweiten Förderphase ergänzend sozial-kognitive Theorieansätze aufgegriffen und Selbstwirksamkeitsüberzeugungen als weitere Komponente der Selbstregulation untersucht werden. Selbstwirksamkeitsüberzeugungen sind als bereichsspezifische persönliche Überzeugungen definiert, bestimmte Anforderungssituationen aufgrund eigener Kompetenzen bewältigen zu können (d.h. schulische, soziale und emotionale Selbstwirksamkeitsüberzeugungen).

Die elterliche Erziehung selbst und mehr noch ihre Bedeutung für die Entwicklung der Selbstregulation des Kindes ist vom jeweiligen kulturspezifischen Sozialisationskontext beeinflusst. In Abhängigkeit des kulturspezifischen Sozialisationskontextes bestehen unterschiedliche Vorstellungen darüber, welches Verhalten sozial erwünscht, erwartet und als adaptiv angesehen wird. Daher wollen wir in der zweiten Förderphase diese Überlegungen aufgreifen und mit psychologischen Methoden des Kulturvergleichs untersuchen, inwieweit Unterschiede oder Ähnlichkeiten hinsichtlich der Zusammenhänge zwischen einzelnen Aspekten der Erziehung und den Komponenten der Selbstregulation bestehen.

Neben den Entwicklungsbedingungen von Selbstregulation sollen nun auch die Entwicklungsfolgen anhand der Bewältigung schulischer Anforderungen untersucht werden. Hierbei stehen zwei Bereiche im Vordergrund: der soziale und der akademische Bereich. Zum einen sollen Zusammenhänge zwischen Selbstregulation und prosozialem Verhalten (d.h. freiwilliges Verhalten eines Kindes, das intendiert ist, einem anderen Kind in der Schule zu helfen) untersucht werden und zum anderen Zusammenhänge zwischen Selbstregulation und Schulleistungen (d.h. Schreiben, Lesen und Rechnen).

Die Untersuchungen erfolgen in enger Kooperation mit anderen Teilprojekten der Forschergruppe. In Kooperation mit TP Kognition werden Zusammenhänge zwischen exekutiven Funktionen, prosozialem Verhalten und Schulleistungen in verschiedenen Altersgruppen untersucht. Die Wirksamkeit von Wenn-Dann-Plänen in Schülergruppen steht im Mittelpunkt der Kooperation mit TP Motivation. Ziel dieser Kooperation ist es, anwendungsbezogene Fragen nach den Grenzen absichtlichen Handelns im Schulalltag zu beantworten. Theoretische Fragen hinsichtlich der Entstehung kollektiver Absichtlichkeit sowie deren Grenzen erfolgt unter Berücksichtigung einer kulturinformierten Perspektive in Kooperation mit den Teilprojekten Philosophie und Recht. Grenzen kollektiver Absichtlichkeit werden hierbei in Bezug auf die Bereitschaft und Fähigkeit zur Selbstregulation der einzelnen Mitglieder einer Gruppe, sowie in sozio-kulturellen Normen gesehen, die das Handeln der Gruppenmitglieder beeinflussen.

Teile der hier skizzierten Forschungsfragen und Hypothesen sollen mit kulturvergleichenden Methoden in einem independenz-orientierten (Konstanz, Deutschland) und einem interdependenz-orientierten Sozialisationskontext (Varanasi, Indien) vergleichend getestet werden. Die Teilnehmer (je 200 Kinder der 4. Schulklasse, 9.-10. Lebensjahr, deren Mütter und Lehrer) aus Konstanz (Deutschland) und Varanasi (Indien) werden über Konstanzer Grundschulen bzw. über entsprechende Schulen in Varanasi rekrutiert.

Die Forschungsergebnisse sollen in internationalen Fachzeitschriften publiziert und auf einschlägigen Konferenzen vorgestellt werden.

 

Participants
Institutions
  • FB Psychologie
Funding sources
NameProject no.DescriptionPeriod
Deutsche Forschungsgemeinschaft01.03.2009 – 28.02.2011
Further information
Period: 01.03.2009 – 28.02.2011
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