Existenz zwischen Erweckung und Endzeit. Zeitlogik, religiöse Praxis und Selbstverortung des Individuums in der Pfingstbewegung in Lateinamerika

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Der weltweite Erfolg fundamentalistischer Bewegungen ist besonders in Entwicklungs- und Schwellenländern allgegenwärtig. Im Zuge gesellschaftlicher Umbrüche und des strukturellen Wandels werden in vielen lateinamerikanischen Gesellschaften zahllose Menschen an den Rand der Gesellschaft gedrängt und leben in extremer Armut. Diese Menschen scheinen sich mit vorherrschenden Deutungsmustern ihr Unglück nicht mehr erklären zu können und suchen deshalb nach neuen Wegen aus der Krise. Einen solchen Weg scheint die Pfingstbewegung vielen von ihnen zu ebnen. Sie ist die am schnellsten wachsende Religionsgemeinschaft innerhalb des Christentums und das auch im katholisch geprägten Lateinamerika. Anders als bei der charismatischen Erneuerungsbewegung werden von den traditionellen, aber noch nicht etablierten Pfingstgemeinden sozial Marginalisierte angezogen. Es stellt sich also die Frage, warum sich gerade die Ärmsten einer Bewegung anschließen, die sich durch das Erleben des Heiligen Geistes und der Beharrung auf den Endzeitgedanken auszeichnet.

Die Frage nach Integration ist aus soziologischer Perspektive nicht mehr ohne die Berücksichtigung religiöser Phänomene zu lösen. Das entscheidende Element ist im Fall dieser Bewegung nicht die Integration in die Gesellschaft, sondern primär die Integration in die Gemeinschaft. Das Dissertationsprojekt geht der Frage nach, ob die Zugehörigkeit zur Pfingstbewegung den Individuen eine Neuverortung im sozialen Gefüge auf der Basis einer neuen Zeitlogik ermöglicht. Diese wäre definiert durch den „Neubeginn“ am Tage der Erweckung und der Erwartung der Endzeit. Ein damit ermöglichter Neuanfang unterläge einer doppelten Kontrolle: Einerseits durch die strenge Reglementierung der Bewegung und andererseits durch die rationale Lebensführung des Gläubigen. Analysiert werden soll dafür das Verhältnis von Zeitlogik, religiöser Praxis und der Selbstverortung des Individuums im gesellschaftlichen Gefüge.

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