Kulturelle Ressourcen institutioneller Integration. Der Beitrag von Nonprofit-Organisationen zur sozialen und politischen Integration in Ostdeutschland nach 1990

Description

Ziel der Untersuchung ist die Überprüfung der Hypothese, dass die in jüngerer Zeit mit dem Begriff "zivilgesellschaftlich" belegten intermediären oder Nonprofit-Organisationen - d.h. Organisationen 'zwischen Markt und Staat' - im heutigen Ostdeutschland einen spezifischen Beitrag zur sozialen und politischen Integration ihrer Mitglieder und Klientel und damit zur politischen Integration von "Ost" und "West" im wiedervereinigten Deutschland leisten. Diese Leistung, so wurde unterstellt, beruhe auf Kompromissbildungen zwischen einem "westlichen" Institutionenimport und seiner "östlichen" lokalen Einbettung, welche "Ost" und "West", miteinander verknüpfen. Unterstützt wird diese Kompromissbildung durch die symbolische Qualität intermediärer Organisationen, die eine Vielzahl integrativer Ideen repräsentieren: die Alternative zum staatlichen Zentralismus im Sinne des Subsidaritätsprinzips, die Alternative zum Interventionsstatt im Sinne des Liberalismus, die Alternative zum Markt im Sinne des "Gemeinwirtschafts"-Prinzips und die Alternative zu staatlichen und marktlichen Großorganisationen im Sinne der Neuen Sozialen Bewegungen.


Die wesentlichen Integrationseffekte entfalten sich jedoch unserer Annahme zufolge nicht vorrangig durch die Einübung konkreter 'demokratischer Tugenden' auf der lokalen Ebene und des daraus folgenden positiven Bezugs zur politischen Makroordnung - dies ist die in der Literatur zur integrativen Wirkung zivilgesellschaftlicher Organisationen vorherrschende Interpretation. Vielmehr nehmen wir an, dass die Integration der Bürger der neuen Bundesländer in die sozialen, politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten der Bundesrepublik Deutschland durch die Stabilisierung einer nur lockeren Kopplung zwischen lokalen Milieus und politischer Marko-Ordnung (oder zwischen "Sozialintegration" und "Systemintegration") erfolgt. Durch eine derartige Kopplung wird die "Synchronisierung" der schnellen und durchgreifenden Veränderungen der Institutionenordnung des politischen Makrosystems auf der einen Seite und der langsameren gesellschaftlichen Anpassungsleistungen in Ostdeutschland nach 1990 auf der anderen Seite begünstigt. Ostdeutsche Nonprofit-Organisationen, so nehmen wir an können dabei einerseits als Symbol der "Wende" als "westlich" oder "vereinigungskonform" interpretiert werden, andererseits können sie als Nischen der Kontinuität und Identitätsstiftung in einer Umwelt dramatischen Wandels wahrgenommen werden.


Der deskriptive Ertrag der Untersuchung liegt in der Datenerhebung zu Organisationsstrukturen, Handlungsorientierungen und Einstellungsmustern. Der analytische Ertrag liegt in der Überprüfung der Beziehungen zwischen Integrationseffekten und Merkmalen der Organisationsstruktur einerseits und der Handlungs- und Einstellungsmuster andererseits. Dies ermöglicht zum einen eine präzisere Operationslisierung der abhängigen Variable "Integration", zum anderen ergeben sich speziellere kausalanalytische Hypothesen über den Zusammenhang von Integrationswirkung und Organisationsstrukturen, Handlungsorientierungen und Einstellungsmustern. Der potentielle theoretische Ertrag liegt in der weiteren Klärung der Beziehung von institutionellen Strukturen einerseits und Wahrnehmungs- und Einstellungsmustern - kulturell eingebetteten Sinnzuweisungen - andererseits.


Das Projekt wird in Form einer Ein-Stadt-Studie in Dessau durchgeführt.

Institutions
  • FB Politik- und Verwaltungswissenschaft
Funding sources
Name Project no. Description Period
Deutsche Forschungsgemeinschaft514/00no information
Further information
Period: 01.01.2000 – 31.12.2005