Marktmikrostruktur und Preisdynamik auf Devisenmärkten

Beschreibung

Im vergangen Jahrzehnt stellten kurzfristige, rapide Wechselkursschwankungen viele Ökonomien vor erheblich realwirtschaftliche Anpassungsprobleme und bildeten im Extremfall sogar den Ausgangspunkt tiefgreifender Währungs- und Finanzkrisen. Die dramatischen Kursveränderungen, die sich im Falle von Währungskrisen binnen eines Tages bzw. weniger Stunden oder Minuten ergeben, zählen noch immer zu den weitgehend ungeklärten Phänomenen in der empirischen Finanzmarktforschung. Aufgrund der Erkenntnis, dass Veränderungen volkswirtschaftlicher Fundamentalfaktoren allenfalls marginal einen Erklärungsbeitrag zu Kurzbewegungen im Rahmen traditioneller Wechselkursmodelle auf Intratages-Niveau liefern, werden kurzfristige Kursschwankungen zunehmend in Verbindung mit mikroökonomischen und mikrostrukturellen Bestimmungsfaktoren gesehen.


Neue mikrostrukturtheoretische Ansätze zur Erklärung von Kursentwicklungen an Devisenmärkten betonen die besondere Bedeutung individueller Handelsstrategien und -mechanismen für die Wechselkursdynamik. Vor allem der Orderfluss ist als Faktor identifiziert worden, der Informationen enthält, die sich in rasch verändernde Marktpreise niederschlagen. Die Kausalitätsrichtung dieser Modelle führt demnach vom Orderfluss zu den Wechselkursen. Im Rahmen der Diskussion über Händlerverhalten, das zur Erklärung von Finanzkrisen beiträgt, ist bereits im Zusammenhang mit dem Börsencrash von 1987 immer wieder auf die Rolle von Feedback-Strategien hingewiesen worden. Die Möglichkeit, dass preisabhängige Auftragssetzungen einen Einfluss auf Kursbewegungen an Devisenmärkten haben können, spielt dagegen in traditionellen Wechselkursmodellen keine Rolle und findet bislang auch in der Theorie der Marktmikrostruktur keine explizite Berücksichtigung.

Obwohl der Devisenmarkt mit einem Tagesvolumen von 1,2 Billionen US-$ (2001) den mit Abstand größten Finanzmarkt darstellt, ist die empirische Evidenz bezüglich marktmikrostruktureller Einflussfaktoren als äußerst begrenzt zu bezeichnen, da hierfür Information über individuelles Händlerverhalten auf der Transaktionsebene unabdingbar ist. Das Forschungsvorhaben setzt sich zum Ziel, die durch die Marktmikrostruktur bedingten Einflussfaktoren der Wechselkursdynamik empirisch zu untersuchen. Besonderes Interesse gilt dabei der Bedeutung individueller Handelsstrategien, die in Form unterschiedlicher Auftragssetzungen im Orderbuch eines elektronischen Marktes zu beobachten sind. Mit Hilfe von ökonometrischen Modellen für ultrahochfrequente Finanzmarktdaten ("tick-by-tick data") soll die wechselseitige Abhängigkeit von Handelstrategien und Wechselkursdynamik analysiert werden. Hierfür steht ein in Bezug auf seinen Informationsgehalt einmaliger Datenfundus zur Verfügung, mit dem sowohl Wechselkursdynamik auf Transaktionsebene, als auch die Dynamik des Orderbuches ökonometrisch abgebildet werden kann. Mit der Identifikation und Quantifizierung von potentiellen, destabilisierende Handelseffekten soll das Projekt einen Erklärungsbeitrag zur Ursachenforschung von kurzfristigen Wechselkursschwankungen liefern, die jenseits makroökonomischer Erklärungsmuster liegen.

Institutionen
  • FB Wirtschaftswissenschaften
Mittelgeber
Name Kennziffer Beschreibung Laufzeit
Sonstige622/03keine Angabe
Weitere Informationen
Laufzeit: 09.07.2003 – 09.07.2005