Forschergruppe "Grenzen der Absichtlichkeit", "Teilprojekt 5: Entwicklungsbedingungen von Absichtlichkeit und ihrer Grenzen"

Beschreibung

Ziel dieses Teilprojektes im Rahmen der durch die DFG geförderten interdisziplinäre Forschergruppe "Grenzen der Absichtlichkeit" an der Universität Konstanz ist die Untersuchung der Entwicklung von Selbstregulation bei Kindern im Vorschul- und Schulalter. Grenzen der Absichtlichkeit werden in den personalen und kontextuellen Bedingungen von Selbstregulation gesehen, die ontogenetisch und aktualgenetisch wirksam werden. Selbstregulation wird in diesem Sinne als ein Aspekt von Absichtlichkeit verstanden, der die Bereitschaft und Fähigkeit beinhaltet, Ziele über die Zeit und sich verändernde Umstände hinweg aufrechtzuerhalten. Zwei Komponenten von Selbstregulation, die Fähigkeit zur Emotionsregulation und zur Verhaltenssteuerung, sollen eingehender studiert werden. Emotionsregulation beinhaltet die Fähigkeit positive und negativeEmotionen im Handlungsablauf auf ein adäquates Niveau zu regulieren. Verhaltenssteuerung wird hingegen konzeptuell als die Fähigkeit verstanden, selbst auferlegte oder extern vorgegebene Ziele zu verfolgen, wie z.B. die Fähigkeit zum Belohnungsaufschub oder das Befolgen von Verhaltensregeln. Es wird angenommen, dass im Entwicklungsverlauf Regulationsstrategien interpsychisch, in der Interaktion mit Bezugspersonen, eingeübt werden und darauf aufbauend die Kompetenz in Bezug auf die Regulationsfähigkeit wächst. Damit einhergehend werden soziale Verhaltensstandards internalisiert und in das individuelle Selbst eingegliedert.

 

Dies soll in zwei sich ergänzenden Unterprojekten untersucht werden. Unterprojekt 1 untersucht auf verschiedenen Verhaltensebenen und unter unterschiedlichen Kontextbedingungen psychologische Prozesse der Selbstregulation (u.a. inhibitorische Kontrolle, Aufmerksamkeitssteuerung) und ihre funktionale Bedeutung für die Entwicklung von Emotionsregulation und Verhaltenssteuerung. Ein zweites Untersuchungsziel ergibt sich aus der Frage, inwieweit die Entwicklung von Selbstregulation und die damit einhergehende Internalisierung von Verhaltensstandards die Beurteilung des Verhaltens anderer Personen (Fremdattribuierung) beeinflusst. Eine zentrale Entwicklungsdeterminante wird in frühen Bindungserfahrungen gesehen, die die Bindungsqualität einer Person beeinflussen. Bindungsqualität wird im Sinne eines inneren Arbeitsmodells verstanden, das u.a. Vorstellungen des Kindes über sich selbst (z.B. Selbstwert- und Kompetenzeinschätzung) und über Bezugspersonen (z.B. Verfügbarkeit) sowie damit verbundene Erwartungen und Gefühle bei der Selbstregulation mit einschließt. Die Analyse interindividueller Unterschiede in Bezug auf Strategien und Ergebnisse der Selbstregulation sowie ihr Entstehen sind daher Untersuchungsgegenstand von Unterprojekt 2.

 

Ausgehend von einem handlungs- und kontexttheoretischen Ansatz soll die Entwicklung von Selbstregulation unter wechselnden kontextuellen Bedingungen und unter besonderer Berücksichtigung kognitiver, motivationaler und emotionaler Prozesse untersucht werden. Ein Schwerpunkt des Projekts liegt daher auf der Verhaltensbeobachtung von Kindern unter experimentellen Bedingungen (u.a. Belohungsaufschub- und Enttäuschungs-Paradigma). Daten der Verhaltensbeobachtung werden durch quantitative Daten ergänzt, die mittels Forschungsparadigmen gewonnen werden, die der Kognitionspsychologie entstammen (u.a. Stop-Aufgabe). Semi-projektive Szenariotechniken kommen zur Erfassung der Bindungsqualität des Kindes und der Fremdattribuierung zum Einsatz. Des Weiteren werden mit Hilfe standardisierter Fragebögen zusätzliche Daten über verschiedene Aspekte des Erziehungsverhalten sowie Persönlichkeitsmerkmale des Kindes (u.a. Temperament) gewonnen. Interkulturelle Vergleiche soll der Klärung der Frage dienen, inwieweit Zusammenhänge zwischen kulturspezifischen Werthaltungen und Entwicklungszielen und der Entwicklung von Selbstregulation und Fremdattribuierung bestehen.

Teilnehmer
Institutionen
  • FB Psychologie
Publikationen
  Trommsdorff, Gisela(2005): Entwicklung sozialer Motive : pro- und antisoziales Handeln Enzyklopädie der Psychologie C, Serie 5, Bd. 3 / Asendorpf, Jens B. (Hrsg.). - Göttingen : Hogrefe, 2005. - S. 75-139
Mittelgeber
NameKennzifferBeschreibungLaufzeit
Deutsche Forschungsgemeinschaft542/07keine Angabe
Weitere Informationen
Laufzeit: 18.12.2006 – 17.12.2008
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