Visuelle Repräsentationen von Arbeit und Konsum als Integrationsstrategie in den ostdeutsch-sowjetischen Beziehungen (1953-1964). Eine Kommunikationsgeschichte

Beschreibung

Im Zentrum des Vorhabens steht die bisher noch wenig untersuchte Frage, ob und wie die UdSSR die kulturelle Hegemonie über ihr „äußeres Imperium“ zu erringen versuchte. Die Untersuchung geht von der Hypothese aus, dass die sowjetischen Eliten zwar den Aufbau eines kulturell gegründeten „informal empire“ (Wendt/Friedheim) betrieben, diesem Ziel aber einen niedrigeren Stellenwert einräumten als der Sicherung politischer und militärischer Macht. Exemplarisch wird diese Hypothese anhand von Integrationsprozessen in einer besonders dynamischen Phase der ostdeutsch-sowjetischen Beziehungen überprüft. Der Untersuchungszeitraum beginnt 1953 mit der Entstalinisierungskrise in beiden Ländern und endet 1964 mit der Aufwertung der DDR zum Juniorpartner der UdSSR durch den Vertrag über Freundschaft, gegenseitigen Beistand und Zusammenarbeit.

Den ostdeutsch-sowjetischen Beziehungen nähert sich das Projekt aus kommunikationsgeschichtlicher Sicht. Es untersucht anhand eines Vergleichs von Pressefotos in ausgewählten Printmedien der DDR und UdSSR und anhand von Zeugnissen der Elitenkommunikation aus beiden Ländern, wie visuelle Repräsentationen als Technologie der Macht genutzt wurden, um integrierend auf die ostdeutsch-sowjetischen Beziehungen einzuwirken. Als Ausgangspunkt dient dabei die These, dass die massenmedial verbreiteten Visualisierungen eine hierarchisch abgestufte transnationale Gemeinschaft stiften sollten, die der Machtasymmetrie zwischen der Sowjetunion als dem Zentrum und der DDR als der Peripherie des Staatssozialismus entsprach.

Ausschlaggebend für das gewählte Forschungskonzept sind zwei Prämissen. Zum einen waren die ostdeutsch-sowjetischen Beziehungen dem Erfahrungshorizont der meisten Menschen entzogen und wurden daher hauptsächlich massenmedial kommuniziert. Dementsprechend stellten die  Printmedien, die über verschiedene Formen der ostdeutsch-sowjetischen Anwesenheitskommunikation berichteten und Orientierungswissen über das jeweils andere Land vermittelten, ein hochbedeutsames Verbreitungsmedium dar (Luhmann). Zum anderen hatten Fotografien aufgrund des ihnen zugeschriebenen Abbildcharakters großen Anteil daran, dass die massenmedial konstruierten gesellschaftlichen Realfiktionen als unhintergehbare Wirklichkeit wahrgenommen wurden. Kombiniert mit ihrer affektiven Wirksamkeit machte sie dies zu einer wichtigen Integrationsagentur (Jäger, Paul).

Wegen der zu erwartenden Materialfülle konzentriert sich die Analyse exemplarisch auf Inszenierungen von Gemeinschaft zwischen der UdSSR und DDR in den integrationsstrategisch  besonders relevanten Themenfeldern „Arbeit“ und „Konsum“. Methodisch kombiniert das Vorhaben drei Verfahren: die seriell-ikonographische Analyse, eine operationalisierbar gemachte Form der Foucaultschen Diskursanalyse und Verfahren der qualitativen Sozialforschung.

Das Projekt ist eng mit einem Vorhaben der Projektgruppe „Eliten – Medien – Kommunikation“ an der RGGU Moskau vernetzt, das deutsch-sowjetische Beziehungen als Kommunikationsgeschichte schreibt und Technologien der Repräsentation der politischen Elite der UdSSR untersucht. Diese Zusammenarbeit soll im Rahmen einer deutsch-russischen Forschergruppe der Universität Konstanz und der RGGU institutionalisiert werden.

Institutionen
  • Exzellenzcluster
  • Geschichte
Mittelgeber
NameKennzifferBeschreibungLaufzeit
Deutsche Forschungsgemeinschaft745/07keine Angabe
Übergeordnete Projekte
Weitere Informationen
Laufzeit: 01.05.2007 – 30.04.2011
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