Fischparasiten und Bakterienfilm als genetische Marker der Demographieänderung und der Migrationsrouten des Nord-Atlantischen Aals

Beschreibung

Der europäische Aal (Anguilla anguilla) ist auf Grund seines außergewöhnlichen katadromen Lebenszyklus, der durch die nahezu freie Verpaarung adulter Silberaale in der Sargasso-See seinen Ausgangspunkt nimmt, allgemein bekannt. Auch wirtschaftlich ist der Aal von großer Bedeutung. So beläuft sich das Markvolumen für fangfrischen Aal auf umgerechnet mehrere Millionen Euro und sichert in Europa das Auskommen von etwa 25.000 europäischen Fischern. Aktuelle Forschungsergebnisse belegen jedoch stetig abnehmende kkommerzielle Aalbestände für die letzten 50 Jahre. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass in jüngster Zeit vermehrt über den drastischen Rückgang des nordatlantischen und japanischen Aals berichtet wurde, was auf allgemeines Interesse stieß.


Die Ursachen dieses Rückgangs sind Gegenstand aktueller Diskussion und Forschung. Verschiedenen Erklärungen wurden vorgeschlagen, die sich jedoch nicht gegenseitig ausschließen. Klimatisch bedingte Veränderungen in der Zirkulation des Golf-Stroms könnten genauso eine Rolle spielen wie die neuerliche Einschleppung des japanischen Schwimmblasen-Parasiten Anguillicola crassus. Darüber hinaus sind anthropogene Eingriffe am Niedergang der Aalbestände beteiligt. Dies sind etwas massive Überfischung von Aalbeständen, oder die Verschmutzung und Zerstörung von Habitaten in Binnengewässern. Iin der Folge stiegen mit der Nachfrage auch die Marktpreise sprunghaft an. Um die Auswirkungen sowohl der Parasiten, als auch des anthropogen bedingten Klimawqndels auf die Aalbestände zu überprüfen werden die folgenden zwei Ansätze verfolgt:


In einem ersten Ansatz soll auf die Populationsgenetik des Nematoden Anguillicola crassus eingegangen werden. Die sukzessive multiple Einschleppung des Parasiten durch adulte Individuen aus A. japonica<7it> soll mittels schnell-evolvierender Mikrosatelliten-Marker und Sequenzen mitochondrieller Kontrollregionen genotypisiert werdne. Dazu sollen mehrere hundert Nematoden sowohl aus der ursprünglichen Wirtsspezies A. japonica, als auch aus seinen neuen natürlichen Wirten A. anguilla und A. rostrata<7it> untersucht werden. Darüber hinaus kann der Befall unter Verwendung Bayesscher Statistik zurückdatiert und Verbreitungsgeschwindigkeit und -schwerpunkte in Europa und Nordamerika verglichen und nachvollzogen werden. Lassen sich die Ausbreitung von A. crassus mit dem Rückgang der Aalpopulation auf beiden Seiten des Atlantiks koorelieren, kann man den Parasitenbefall als wahrscheinliche Ursache ansehen.


Außerdem soll die Zusammensetzung der Bakterienflora in der Glasaal-Schleimhaut näher untersucht werden, wozu Aalen versch. europäischer Küstengewässer Gewebes- und Schleimhautproben entnommen und mit Hilfe geeigneter Marker (T-RFLP) und shotgun-Sequenzierungen von 16S-rDNA untersucht werden. Die Bakterienflora der Schleimhaut kann dazu dienen verschiedene Verteilungsrouten der larvalen Aalstadien zu entschlüsseln. Wenn die globale Erwärmung den Golf-Strom verändert, nimmt diese Einfluss auf die Verteilung der Larven, weshalb sie sich in einer veränderten Zusammensetzung und Diversität der Prokaryonten-Flora widerspiegeln sollte. Mit historischen, konservierten Glasaalbeständen soll die Veränderung von Strömungsrouten in der Zeit belegt werden.

Teilnehmer
  • Wirth, Thierry - Projektleiter
Institutionen
  • FB Biologie
Mittelgeber
Name Kennziffer Beschreibung Laufzeit
Deutsche Forschungsgemeinschaft568/05keine Angabe
Weitere Informationen
Laufzeit: 01.07.2005 – 30.06.2007