Politische Selektion in Deutschland

Beschreibung

Mit diesem Projekt werden wir zu der volkswirtschaftlichen Forschung zur politischen Selektion beitragen, indem wir die Determinanten und Folgen der Repräsentanz von Frauen in der Politik untersuchen. Die gesellschaftliche Bedeutung dieser Fragen ergibt sich aus der noch immer anhaltenden Unterrepräsentanz von Frauen auf allen Ebenen der Politik. Der erste Teil dieses Projektes wird daher die Wirksamkeit einer spezifischen Strategie analysieren, die den Anteil von Frauen in der Politik erhöhen soll: positive Spillover-Effekte von Frauen in Führungsämtern. Wir werden hierbei untersuchen, ob die Präsenz einer Bürgermeisterin - ein exponiertes Gemeindeamt - in einer Gemeinde oder ein höherer Anteil von Frauen im aktuellen Gemeinderat dazu führt, dass mehr Frauen in den nächsten Gemeinderat gewählt werden.

Um diese Fragen zu analysieren, werden wir einen Datensatz erheben, der Informationen zu Gemeinderatskandidaten in Bayern, Hessen und Niedersachsen über mehrere Wahlen hinweg enthält (bis zu 3400 Gemeinden, 10000 Wahlen und eine Millionen Kandidaten). Diese Daten werden es uns ermöglichen, Identifikationsstrategien zu implementieren, die auf knappen Wahlen basieren. Des Weiteren werden sie es uns ermöglichen, Transmissionskanäle zu untersuchen, d.h. ob etwaige Wahlerfolge von weiblichen Kandidaten dadurch zustande kommen, dass die Präsenz weiblicher Amtsträger die Skepsis von Wählern und der (lokalen) Parteiführung gegenüber weiblichen Politikern reduziert, oder weil weibliche Amtsträger zusätzliche (und bessere qualifizierte) Frauen motivieren, sich als Kandidatinnen für den Gemeinderat zur Verfügung zu stellen.

Im zweiten Teil des Projektes werden wir untersuchen, ob eine größere Repräsentanz von Frauen in der Politik substantielle Konsequenzen für politische Entscheidungen hat oder ob sie vornehmlich "kosmetischer" Natur ist. Während es als an sich begrüßenswert erachtet werden kann, dass die politische Führung die Demographie der Wählerschaft wiederspiegelt, ist die Unterrepräsentanz von Frauen potentiell noch problematischer, falls diese zu politischen Entscheidungen führt, die einen negativen Effekt auf deren Wohlfahrt haben.

Die Folgen einer höheren weiblichen Repräsentation in der Politik wurden bislang insbesondere für die Legislative noch nicht ausreichend untersucht. Mit Hilfe der von uns erhobenen Daten und einer Identifikationstrategie, die sich auf knappe Wahlen stützt, werden wir untersuchen, ob ein größerer Anteil von Frauen im Gemeinderat einen substantiellen Einfluss auf Politikentscheidungen hat. Zudem werden wir den Transmissionskanälen besondere Aufmerksamkeit widmen, insbesondere indem wir die Protokolle der Gemeinderatssitzungen analysieren. Abschließend planen wir auch Interaktionen zwischen verschiedenen Gemeindeorganen zu untersuchen, beispielsweise ob weibliche Gemeinderatsmitglieder effektiver sind, falls der Bürgermeister auch weibliche ist (und vice versa).

Institutionen
  • FB Wirtschaftswissenschaften
Mittelgeber
NameKennzifferBeschreibungLaufzeit
Sachbeihilfe/Normalverfahren654/18keine Angabe
Weitere Informationen
Laufzeit: 01.09.2018 – 31.08.2020