Die politische Ökonomie konkurrierender Integrationsräume

Beschreibung

Das Forschungsprojekt will den Einfluss konkurrierender Integrationsräume am Beispiel der Verhandlungen zur Liberalisierung des Dienstleistungsmarktes im europäischen Binnenmarktprogramm und in der Uruquay-Runde des GATT analysieren. Unsere These lautet, dass die Mitgliedstaaten der EU in den GATT-Verhandlungen eine zurückhaltende und konservative Position bezogen haben, weil die EU in den zeitgleich stattfindenden europäischen Aushandlungsprozessen weitreichende Liberalisierungsmaßnahmen beschloss. Verallgemeinert ausgedrückt: Die Bereitschaft zu Zugeständnissen in internationalen Liberalisierungsverhandlungen sinkt ceteris paribus mit dem internen Deregulierungsgrad.


Die Untersuchung basiert in der Tradition von Jakob Viner auf der Annahme, dass die globale und regionale Verrechtlichung von Problemfeldern sich wechselseitig beeinflussen. Analysiert werden soll folglich das "Multi-Arenen-Spiel" auf den folgenden Ebenen:


a) zwischen der EU und den bedeutenden GATT-Mitgliedstaaten in Genf,


b) den EU-Mitgliedstaaten in Brüssel,

c) die Lobbyingaktivitäten der Unternehmensverbände und Gewerkschaften in den nationalen politischen Arenen und in Brüssel,

d) gegebenenfalls die Koordination zwischen den Interessengruppen der Unternehmen und Arbeitnehmer auf der substaatlichen Ebene.


Von der Untersuchung dieser Interaktion versprechen wir uns Aufschluss über die Frage, ob sich politische Integrationsprozesse gegenseitig verstärken oder ob sie sich auch abschwächen können - und unter welchen Bedingungen eher eine Abschwächung zu erwarten ist. Vor dem Hintergrund einer fortschreitenden Integration der Wirtschaftsräume auf globaler und regionaler Ebene ist die Beantwortung dieser Frage für die Problematik des internationalen Regierens von zentraler Bedeutung.


Das Projekt kann zum einen auf die umfangreiche Datensammlung der WTO und der EU zu den jeweiligen Aushandlungsprozessen zurückgreifen. Zum anderen zielt es jedoch auf eine Erhebung und Kategorisierung der Positionen von Interessengruppen in den Mitgliedstaaten der EU und in Brüssel ab. Das Projekt basiert auf einem Methodenpluralismus von Einzel- und vergleichenden Fallstudien sowie geeigneten statistischen Verfahren (Mehrdimensionale Skalierung, Logit, Logit-Panelanalyse, multinominal Logit, Poisson-Regression, Cox-Survivalanalyse).

Institutionen
  • FB Politik- und Verwaltungswissenschaft
Mittelgeber
NameKennzifferBeschreibungLaufzeit
Sonstige581/01keine Angabe
Weitere Informationen
Laufzeit: 01.04.2002 – 31.03.2004