Ungleichheit, Identität und Konflikt: Die ethische und sozioökonomische Dimension innenpolitischer Gewalt

Beschreibung

Das Projekt soll untersuchen, wie das Zusammenwirken einer ethnischen und einer sozioökonomischen Konfliktlinie das innergesellschaftliche Gewaltpotential beeinflusst. Dabei wird in vergleichender Perspektive der empirische Gehalt von klassischen Modellen der politischen Soziologie zu diesem Thema wie auch neuerer theoretischer Ansätze überprüft. Die vergleichende Studie beschlägt dabei drei Erklärungsebenen:

  1. Mit makro-quantitativen Ansätzen wird evaluiert, inwiefern sich die Interaktion zwischen Gruppenidentität, Einkommensungleichheit innerhalb einer Gruppe und gesamtgesellschaftlicher Ungleichheit auf das innenpolitische Gewaltpotential auswirkt.
  2. Eine Untersuchung der World Value Surveys soll den zusammenwirkenden Effekt von sozioökonomischem Status und Gruppenidentifikation auf den politischen Extremismus im Ländervergleich sowie im Vergleich der individuellen Befragten klären.
  3. Anhand von Feldstudien soll für ausgewählte ruandische Kommunen geklärt werden, welche Einkommensschichten sich überdurchschnittlich stark in den verschiedenen Bürgerkriegsparteien engagierten.

Konkret besteht das Projekt nach der Ausarbeitung der genauen Wirkungszusammenhänge aus drei Teilprojekten:

  1. Makroquantitative Untersuchung zum Verhältnis zwischen Gruppenidentifikation, Einkommensungleichheit und dem Gebrauch politischer Gewalt: Ländervergleichende Studien zum Einfluss von Ungleichheit auf das Risiko von Bürgerkriegen oder anderen Formen der Gewalt leiden vor allem darunter, dass die Einkommensungleichheit auf Länderebene und nicht auf Gruppenebene erfasst wird. Grundlagen für diese Neumessungen der Einkommensungleichheit werden Umfragen wie Latino- und Eurobarometer bzw. die World Value Surveys. Für das Gewaltpotential erfassen wir eine Vielzahl von Indikatoren: Bürgerkriege, Revolution, Staatszusammenbruch, Streiks, politische Morde etc. Nach einem instrumentalistischen Verständnis von politischer Gewalt sind die Gewaltformen weitgehend Substitute, zwischen denen Akteure wählen, um die eigentlichen politischen Ziele zu erreichen. Unter Konstanthaltung der in der Forschungsliteratur identifizierten Einflüsse auf innenpolitische Konflikte werden wir in einer Panel-Analyse die Auswirkungen von wirtschaftlicher Ungleichheit und ethnischer Fraktionalisierung getrennt und vor allem als Interaktionseffekt berechnen.
  2. Individualdatenanalyse zur individuellen Gewaltbereitschaft: Mit Hilfe von Umfragedaten lässt sich erfassen, wie weit sich ein Individuum mit einer Gruppe identifiziert, wie legitim es politische Gewalt erachtet und anderen Gruppen gegenüber kritisch eingestellt ist. Wir wollen eine solche Paralleluntersuchung mit Hilfe von gebräuchlichen Datensätzen durchführen. Dies sind zum einen der bekannte World Value Survey, zum andere ähnlich gelagerte Regionalumfragen wie der Eurobarometer, der Latinobarometer, der Asiabarometer und der Africabarometer. Um die Hypothese des Einflusses der Einkommensungleichheit und der Gruppenidentifikation auf die individuelle Bereitschaft zu nicht-parlamentarischer Politik wollen wir Multilevel-Modelle berechnen, die eine parallele Schätzung von Individual- und Ländereffekten erlauben.
  3. Vergleich von ruandischen Kommunen: Da sich über Umfragedaten Einstellungen, aber nicht tatsächliches Verhalten erfassen lässt, wollen wir in Feldstudien noch für eine Konfliktregion – nämlich Ruanda – aufgrund von Befragungen vor Ort und dem Eruieren des sozioökonomischen und ethnischen Hintergrundes von Opfern und Tätern zu erfassen versuchen.
Institutionen
  • FB Politik- und Verwaltungswissenschaft
  • Exzellenzcluster
Mittelgeber
NameKennzifferBeschreibungLaufzeit
Deutsche Forschungsgemeinschaft725/07keine Angabe
Weitere Informationen
Laufzeit: 01.04.2007 – 31.12.2009