Entwicklung von Intentionalität und von Emotionsregulation

Beschreibung

Ziel dieses Teilprojektes im Zentrum Intentionalität der Universität Konstanz ist die Untersuchung der Emotionsregulation als Teil der Handlungsregulation bei Kindern im Vorschulalter. Ein wichtiger Aspekt in der Entwicklung von Intentionalität wird hier in der Entwicklung und in der Regulation von Emotionen gesehen. Dabei werden die bei der Verfolgung von Handlungszielen beeinträchtigenden (störenden) Emotionen und deren interne Regulation unter verschiedenen Kontextbedingungen studiert. Insbesondere geht es um die Analyse von interindividuellen Unterschieden in Strategien und Ergebnissen der Handlungssteuerung. <p>
Bisher wurden Untersuchungen (1) zur Emotionsregulation bei prosozialen Zielen auch im Kulturvergleich und (2) zur Verfolgung von verschiedenen Leistungszielen durchgeführt. Dabei wurden Bedingungen für die Art der Emotionsregulation bei verschiedenen Handlungszielen präzisiert. Geplant sind weitere Untersuchungen zu (1) individuellen Strategien der Emotionsregulation bei Vorschulkindern im Handlungsablauf in verschiedenen Situationen (im Frustrations- und im Belohnungsaufschub-Paradigma), (2) entwicklungspsychologischen Bedingungsfaktoren der Emotionsregulation (Kontrollorientierung und emotionale Reaktionen der Bezugsperson) sowie (3) Zusammenhängen zwischen kulturspezifischen Werthaltungen und Entwicklungszielen als Komponenten der Handlungsregulation. Der Schwerpunkt der Studien liegt auf der Verhaltensbeobachtung von Vorschulkindern unter experimentellen Bedingungen. Erste Ergebnisse belegen individuelle Differenzen in dem Ausmaß und in der Qualität der Emotionsregulation. Diese können teilweise durch Entwicklungsbedingungen (wie Bindung) erklärt werden.

Institutionen
  • FB Psychologie
Publikationen
  Trommsdorff, Gisela(2005): Entwicklung sozialer Motive : pro- und antisoziales Handeln Enzyklopädie der Psychologie C, Serie 5, Bd. 3 / Asendorpf, Jens B. (Hrsg.). - Göttingen : Hogrefe, 2005. - S. 75-139
    Friedlmeier, Wolfgang; Trommsdorff, Gisela(2001): Entwicklung der Emotionsregulation bei 2- und 3jährigen Mädchen Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie ; 33 (2001), 4. - S. 204-214

Entwicklung der Emotionsregulation bei 2- und 3jährigen Mädchen

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Die Emotionsregulation entwickelt sich in den ersten Lebensjahren von externer zu intern gesteuerter Regulation. Dabei ist anzunehmen, dass der mikrogenetische Verlauf negativer emotionaler Reaktionen mit der Sensitivität der Bezugsperson im Zusammenhang steht, dass sich im interaktiven Prozess Ausdrucks- und Eindrucksbildung parallel entwickeln, und dass die Wirksamkeit der Regulationsstrategien mit dem Verlauf der emotionalen Reaktion zusammenhängt. Die empirische Überprüfung dieser Thesen erfolgte anhand der Erfassung von Emotionsverlauf und -regulation in einer Beobachtungsstudie. 2- und 3jährige Mädchen und ihre Mütter (N = 55 Dyaden) wurden in zwei Situationen videografiert. In einer Enttäuschungssituation wurde eine selbstbezogene und in einer Empathiesituation eine fremdbezogene negative emotionale Reaktion induziert. Anhand von Ausdrucksmerkmalen wurde das Ausmaß der negativen emotionalen Reaktion zu vier Zeitpunkten eingeschätzt. Auch die Sensitivität der Mutter und die Regulationsstrategien der Mädchen wurden kodiert. Altersunterschiede zeigten sich im Verlauf der negativen Emotionen in der selbstbezogenen Situation. Die 3jährigen Mädchen erholten sich am wenigsten. Die Mädchen sensitiver Mütter reagierten nicht stärker emotional, erholten sich aber weniger als erwartet im Vergleich zu den Mädchen gering sensitiver Mütter. Auch hier waren die 3jährigen Mädchen wiederum am wenigsten erfolgreich. Die Art der Regulationsstrategie wies vor allem bei den 3jährigen Zusammenhänge mit dem Reaktionsverlauf auf.

Forschungszusammenhang (Projekte)

    Trommsdorff, Gisela; Friedlmeier, Wolfgang(1999): Motivational conflict and prosocial behaviour of kindergarten children International Journal of Behavioral Development ; 23 (1999), 2. - S. 413-429

Motivational conflict and prosocial behaviour of kindergarten children

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The present study aims to clarify the role of different emotions for children s prosocial behaviour on the basis of a motivation-theoretical approach. Specifically, the functions of empathy and distress with respect to prosocial behaviour were investigated in two different experimental situations. Fiveyear- old girls (N = 50) participated in two observation studies. In study 1 the girls were randomly assigned: (a) to a nondistraction condition by experiencing another person s misfortune (N = 13); or (b) to a distraction condition by inducing achievement motivation. In study 2 the girls (N = 25) underwent the same procedure as in the nondistraction condition in order to check the cross validation of the variables measured. The girls videotaped nonverbal reactions (quality of facial expression and focus of attention) as well as the intensity of helping were analysed. The cross-validation was successful. The two experimental conditions did not differ with respect to empathy, distress, and helping. However, the relation between empathy and distress pointed at different directions with regard to the results of the two experimental groups. Furthermore, the positive effect of empathy as well as the negative effect of distress on prosocial behaviour were eliminated in case of the distraction situation. The measures on focus of attention supplemented the understanding of these different reactions in the two experimental conditions. The results are discussed in a motivation-theoretical framework by taking into account processes of emotion regulation.

Forschungszusammenhang (Projekte)

    Friedlmeier, Wolfgang; Trommsdorff, Gisela(1999): Emotion regulation in early childhood : a cross-cultural comparison between German and Japanese toddlers Journal of Cross-Cultural Psychology ; 30 (1999), 6. - S. 684-711

Emotion regulation in early childhood : a cross-cultural comparison between German and Japanese toddlers

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The purpose of this study is to analyse toddlers regulation of negative emotions in two cultures. A general sequential model of emotion regulation is specified that takes emotional reaction, goal-directed behaviour strategies, and the interactive process between child and mother into account. Two-year-old Japanese (n = 20) and German (n = 20) girls and their mothers were observed in a quasi-natural interaction in which the girls experienced a playmate s distress (the mothers were present). The features of the sequential model were measured. Mothers sensitivity was assessed in a structured mother-child interaction. The sequential model was confirmed for the German sample and modified in regard to the regulation of distance for the Japanese sample. The Japanese mothers displayed more sensitive and contingent behaviour. Culture-specific differences in regard to the distribution of children s regulation patterns and qualities of mother-child interactions demonstrate the effects of different socialization practices with respect to socio-emotional development.

Forschungszusammenhang (Projekte)

  Trommsdorff, Gisela; Friedlmeier, Wolfgang(1999): Emotionale Entwicklung im Kulturvergleich Emotionale Entwicklung : Funktion, Regulation und soziokultureller Kontext von Emotionen / Friedlmeier, Wolfgang et al. (Hrsg.). - Heidelberg : Spektrum Akad. Verl., 1999. - S. 275-293. - ISBN 3-8274-0487-8

Emotionale Entwicklung im Kulturvergleich

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Trommsdorff, Gisela; Friedlmeier, Wolfgang

Forschungszusammenhang (Projekte)

Mittelgeber
NameKennzifferBeschreibungLaufzeit
Ausschuss für ForschungsfragenTP401.01.2000 – 31.12.2005
Weitere Informationen
Laufzeit: 01.01.2000 – 31.12.2005